Ministerium für Glück und Wohlbefinden.

Ich las darüber in einem Magazin: Das MfGW  ist das Ergebnis der Arbeit von Gina Schöler und Daniel Clarens aus dem Master-Studiengang Kommunikationsdesign der Hochschule Mannheim.

Die Idee finde ich ganz wundervoll und frage mich, warum sie mir erst jetzt über den Weg läuft. Ich interessiere mich nämlich sehr für gesellschaftliche Fragen wie die, Alternativen zur Wohlfahrtsmessung durch Wirtschaftswachstum zu finden.
Natürlich kann ein einzelnes Ministerium nicht alles verändern, aber der Gedanke ist bestechend.

Gerne würde ich in einem Ministerium für Glück und Wohlbefinden arbeiten. Sehr gerne.

Held: Rocko Schamoni

Rocko Schamoni, Musiker, Autor und Schauspieler, steht offen dazu, an Depressionen zu leiden.

Ich sah einmal einen Auftritt von ihm bei „Zimmer frei“, wo er sinngemäß sagte, sich die Depression auch nicht wegtherapieren lassen zu wollen.

Die Depression ist ja auch immer ein Warnsignal, dass im eigenen Leben etwas nicht stimmt. So nehme ich es jedenfalls für mich wahr: dass ich nicht genug für mich sorge, anders lebe, als ich es will, meine Bedürfnisse nicht äußern kann.

Ich weiss nicht, ob das für Rocko Schamoni auch gilt, oder ob er eher eine Art Weltschmerz empfindet, der aus dem Zustand der Welt im allgemeinen gespeist wird.

Jedenfalls ist es mutig, sich den Medien gegenüber als depressiv zu outen.

Heute las ich jedoch ein Zitat in der Neon*, dass mich erschreckte.

„Depressionen werden mich unausrottbar mein Leben lang begleiten.
Die Chance, dass sie irgendwann mein Leben beenden werden, ist nicht gering“.

Ja, das bringt die Wahrheit über die dunkle Krankheit, mit der wir leben müssen, zum Ausdruck. Ja, ich habe auch oft gedacht, dass es eine tödliche Krankheit sein kann, und dass auch ich nicht weiss, ob ich ihr immer standhalten kann.

Ja, ich kämpfe immer noch mit der Akzeptanz, dass dies eine lebenslange Begleitung für mein Leben ist, die mich immer wieder herausfordern wird und an manchen Abgrund führen kann.

Aber Rocko: wir kämpfen wenigstens, wir machen Therapien, wir nehmen Medikamente, wir geben nicht kampflos auf!

Ich wüsste gern, dass Du das gleiche tust. Depression muss kein Schicksal sein, das man als gegeben hinnehmen muss, bei allem Realismus, dass sie immer eine Art „Behinderung“ darstellen wird.

Du bist ein großzügiger, warmherziger, intelligenter Mann, der viel von sich gibt. Ich wüsste gern, dass Du auch Hilfe annimmst.

Jeder von uns muss seine eigenen Dämonen bekämpfen, aber wir sind viele, und damit dann letztendlich doch nicht allein.

 

* Neon 2/2013, S. 138

Held: Frank Spilker

Ich weiß nicht, ob Frank Spilker an Depressionen leidet. Nach allem, was ich von ihm weiss, könnte ich es mir aber vorstellen.

Aber jeder, der Texte schreibt wie die von „Depressionen aus der Hölle“, „Nach fest kommt lose“ oder „Was hat Dich bloß so ruiniert“, muss wissen, wie sich eine Depression anfühlt und ist ein Held.

Danke Frank!

Heldin: Holly, London

Gefunden bei PostSecret. Dort offenbaren Menschen ihre Geheimnisse – durch Postkarten, E-Mails oder auf Live-Veranstaltungen. Jeden Sonntag werden einige davon im Blog veröffentlicht.

—–Email—–

I was at the PostSecret Event in London. I didn’t find the courage to go up to the microphone, but if I had been able to, this is what I would have said.

I spent so long feeling guilty, feeling ashamed of my sadness, and you know what? It just made me sadder. You are allowed to be sad, you are allowed to be angry, you’re allowed to be depressed. We all deserve to feel our own sadness in our own time.

Something you will have heard before – you deserve to be happy. That, of course, is not always easy to hear, especially in the depths of depression – so let me add something. You deserve to be happy – but you don’t have to be happy right now or all the time.

It is okay to be sad, it’s okay to not be ready to be happy yet. One day you will be ready to recover – that day doesn’t have to be today or even tomorrow, as long as you know and trust me that it will come.

It’s okay not to be okay.

Thanks for everything Frank,

Holly, London

P.S My secret is that I decided last night that I’m ready to recover and it’s going to be incredible.

Das ist so schwer zu begreifen und zu leben, und es macht mir Mut, dass Holly diesen wichtigen Schritt geht. Wir sind nicht allein mit der Depression und es gibt Wege heraus.

 

Held: David Walliams

David Walliams ist ein britischer Schauspieler, der mit der Comedy Serie „Little Britain“ enorm populär wurde. In den vergangenen Jahren hat er außerdem mehrere erfolgreiche Kinderbücher veröffentlicht, die sich mit verschiedenen ungewöhnlichen Themen befassen, die sonst eher „Außenseiterthemen“ sind: Obdachlosigkeit, eine Junge, der das „Cross Dressing“ für sich entdeckt, die Probleme, als reichster Junge der Welt echte Freunde zu finden… sehr liebevolle und mutmachende Bücher, die ich als Erwachsene mit Freude gelesen habe.

Zudem engagiert er sich zugunsten von „Sport Relief“ durch extremen sportlichen Einsatz für die gute Sache. Er hat den Ärmelkanal durchschwommen und ebenso die gesamte Themse.

Ich habe daher aus gutem Grunde das, was man im Englischen so schön einen „Crush“ nennt, ich schwärme für (den mittlerweile verheirateteten werdenden Vater) David.

Besonders beeindruckt hat mich jedoch, dass er sehr offen über seine Depression spricht. So auch in seiner unlängst erschienenen Autobiografie „Camp David“, in der er offenbar auch über mehrere Selbstmordversuche spricht.

Dies hat aufgrund seiner Prominenz eine besondere Resonanz in den Medien und könnte dazu beitragen, Depression zu destigmatisieren.

Ich habe mir soeben die Autobiografie bestellt (sowie sein neuestes Kinderbuch – wann schläft der Mann eigentlich?) und bin sehr gespannt darauf, seine Geschichte aus erster Hand zu erfahren. Aus meiner Sicht ist es nicht wahrscheinlich, dass David seine Depression vollständig überwunden haben wird, so sehr ich ihm das wünschen würde, denn er scheint ein sehr sehr toller Mensch zu sein.

David, Du bist mein Held!