Lachen über Depressionen?

Sowas darf man nur als Betroffener. Natürlich übertrieben, aber auch wahr.

Übrigens nervt mich, dass die meisten Vortragenden, gerade im Bereich des Poetry Slams, die gleiche Art des Vortrags haben. Gehen die alle zu dem selben Lehrer? Oder steckt das an, weil man bei Lesungen nur auf andere Slammer trifft?

Stimmungstief

Nach einem schönen Freitag und Samstag ein extremer Durchhänger am Sonntag.

Ist das normal? Geht es abwärts?

Ich kann schlechte Tage schwer ertragen. Es könnten immer auch Vorboten einer depressiven Episode sein. Wie geht es mir eigentlich? Ich kann es gar nicht so recht sagen.

Momentan fällt es mir schwer, mir etwas gutes zu tun. Sport fällt noch eine Weile aus, draußen ist das Wetter so lala, Kultur hilft nur punktuell.

Samstag war ich zu einem wirklich schönen Geburtstag eingeladen. Es hat viel Spaß gemacht, und die anderen Gäste zwischen acht und achtzig waren alle sehr kontaktfreudig und nett.

Aber ach: allein, allein, allein, allein. Außer zwei der verwitweten Verwandten waren alle als Paar da. Ich glaube, das war es, was mich im Nachgang so mürbe gemacht hat.

Das ewige alte Gefühl, ich werde doch nie jemanden finden, der zu mir passt und mein Leben mit mit teilt. Das Gefühl, unvermittelbar zu sein. Wie ein altes Tier im Heim, weil alle nur die niedlichen Jungtiere wollen und nicht die alte Katze mit ihren Ticks.

Ich fühle mich dann wie ein einziger Makel. Zu dick, zu gestört, zu intelligent, zu schwierig.

Ein Teil meines Gehirns weiss, dass das nicht die ganze Realität ist. Dass es sich nur so anfühlt, aber nicht die Wahrheit ist.
Der andere Teil meines Selbsts ist die Anstrengung leid, der Hoffnung müde, kann das Aushalten dieses Zustandes nicht mehr ertragen.

W… wie Werther-Effekt

Ich weiss nicht, ob es Menschen gibt, die bei einer schweren depressiven Episode noch nicht an Suizid gedacht haben.

Es erscheint in den dunkelsten Stunden des Lebens als einziger Ausweg.

Schlimm, wenn Massenmedien dann den Suizid einer prominenten Person auf eine detaillierte Art und Weise beschreiben. Zu Recht verzichten verantwortungsvolle Medien auf Details, Glorifizierung und alles reißerische, um nicht Nachahmungen auszulösen.

Leider wurde wie so oft im Fall von Robin Williams diese Handlungsweise von verschiedenen auch seriösen Medien missachtet.

Sie sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein, die bereits gefährdete Menschen mitunter den letzten Impuls zur Tat geben kann.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat eine Empfehlung zur Berichterstattung über Suizid entwickelt, auf die gar nicht dringend genug hingewiesen werden kann!

Medienguide der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Ich selbst versuche übrigens, bei aller Anteilnahme nicht zuviel über einen prominenten Suizid zu erfahren. Die Berichterstattung über Robert Enke konnte ich erst in diesem Jahr überhaupt in Teilen lesen, in Nachfolge zum Tode von Andreas Biermann, und selbst da hat sie mich sehr erschüttert.

S… wie Schuldgefühle

Depression ist nicht Deine Schuld!

Es ist eine Krankheit, und sie kann behandelt werden.

Sehr schöner Beitrag dazu auch hier bei The Militant Baker.

To feel guilt and shame about a neurological condition that has been out of your control isn’t necessary. That’s all. So release yourself from that shit, and maybe you’ll be able to focus your energy on what you want to see happen now.

S… wie Suizid.

Das wohl gefährlichste an der Depression ist die große Gefahr, dass erkrankte sich das Leben nehmen, weil sie keinen Ausweg mehr sehen. Weil der Schmerz zu groß ist, weil nichts zu helfen scheint, weil alles besser erscheint als so weiterleben zu müssen.

Heute war überall die Nachricht, dass Robin Williams sich vermutlich aufgrund seiner Depression das Leben genommen hat. Vergangenen Monat starb der Fußballspieler Andreas Biermann durch Suizid.

Beiden schien es von außen betrachtet gut zu gehen, nichts wirkte nach außen so ausweglos, wie sie es selbst empfunden haben müssen.

Es ist so unfassbar traurig, dass eine psychische Erkrankung tödlicher ist als der ähnlich heimtückische Krebs.

Ein Tabu, weil die meisten Menschen Angst haben, sterblich zu sein, über den Tod zu sprechen, einander beizustehen, wenn das Leben an den Rand gerät.