N… wie Notfallhilfe

Habt Ihr so etwas?

Eine Telefonnummer, die Ihr Tag und Nacht wählen könnt? Eine Fachperson, die in Notfällen erreichbar ist? Eine Freundin, die man auch nachts um drei anrufen kann?

Was tut Ihr, wenn alles zusammenbricht?

In Notfällen verengt sich mein Blick. Ich verliere den Kontakt, die Perspektive, den Anker zu allem hilfreichen.

Ich wünsche mir jemanden, den ich kenne, den ich in Notsituationen anrufen kann. Die mich gut genug kennt um zu wissen, was hilft und was nicht. Der ich nicht aufwendig erklären muss, was mit mir los ist. Jemanden, der vorbeikommt, meine Hand hält, wartet, bis ich einschlafen kann.

Ich habe Angst, die wenigen Menschen, die von dem Ausmaß meiner Krankheit wissen, zu überlasten. Ihnen Angst zu machen, wenn ich von der Sinnlosigkeit meines Lebens spreche. Ihre Hilflosigkeit zu spüren, da sie mir doch helfen wollen und es nicht können. Ihre Ratschläge zu ertragen, die doch den Kern der Krise nicht treffen.

Ich wünsche mir manchmal, die Verantwortung für mich, nur ein klein wenig, abgeben zu können. Dabei ist mir meine Autonomie mindestens genauso wichtig, ich kann es nicht ertragen, wenn über mich hinweggegangen wird. Unselige Widersprüche, die es so schwer machen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und auszudrücken.

Im Grunde will ich Mama und Papa, die alles gut machen. Die auf eine ungekannte, aber immer ersehnte Art wissen, was zu tun ist, und mir die ewige Last der Verantwortung für alles von den Schultern nehmen.

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2 Gedanken zu „N… wie Notfallhilfe

  1. Ich könnte meine Schwester anrufen oder meine Eltern – die könnten zwar nicht kommen, weil zu weit weg, aber reden wäre schon drin. Nur: machen würde ich es nicht. Weil ich niemandem erschrecken will und ihm so zur Last falle. Und weil gut gemeinte Ratschläge in solchen Momenten nur kontraproduktiv wären und meinen innerlichen Druck nur noch erhöhen würden. Ich denke, dass es schön wäre, wenn es einen solchen Menschen gäbe, der einfach nur da ist, nicht viel sagt, nicht viel fragt, sondern mich nur spüren lässt, dass er mich so nimmt, wie ich bin und dass alles wieder gut wird.
    So aber würde ich in äussersten Notfällen auf meine chemische Wunderwaffe Lorazepam zurückgreifen, die mich dämpft und beruhigt. Bis ich diesen Wundermenschen gefunden habe… 🙂

    • Ja, so etwas tatsächlich auch in Anspruch zu nehmen, ist eine riesige Hürde auch für mich. Jemanden zu belasten ist eine Unvorstellbarkeit.

      Und das mit den Ratschlägen… selbst meine geliebte Schwester will immer etwas „tun“, kann kaum ertragen, dass sich gerade nichts bewegt… nichts bewegen kann, nichts bewegen soll. Weil das die falsche Richtung ist, oft versucht, es bringt nichts.

      Einfach nur da sein, zuhören, annehmen… das können so wenige.

      Ich weiss, ich selbst kann das auch nur schwer, wenn es einem meiner geliebten Menschen nicht gut geht. Man kann die eigene Hilflosigkeit dann kaum ertragen.

      Trotzdem ist es das einzige, was hilft, nur dazusein und es auszuhalten.

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