Entlieben 2.0

Es ist nicht einfach. Mein Kopf ist da viel weiter als mein Herz. Das wünscht sich immer noch eine positive Entwicklung.

Miteinander arbeiten zu müssen macht es nicht leichter. Die Wunde wird so ständig wieder aufgekratzt.

Ich mag nicht mehr.

G… wie Geduld

Geduld ist keine meiner Stärken. Mit mir selbst schon gar nicht.

Vom Kopf her habe ich schon vieles verstanden, was den Umgang mit der Depression betrifft, aber gefühlsmäßig ist es wahnsinnig schwer auszuhalten.

Die Traurigkeit, die Müdigkeit, das Gefühl des fehlenden Sinns in meinem Leben, die mangelnde Zufriedenheit, die Einsamkeit, die Ohnmacht.

Nichts davon kann und will ich wirklich akzeptieren, als zu mir gehörig betrachten. Ich will es loswerden, und weiss doch, dass der Kampf dagegen eher noch tiefer in die Depression führt.

Ich will immer noch funktionieren, immer noch will ich von allen gemocht werden, immer noch kämpfe ich um Anerkennung und Verstandenwerden, und kann mich selbst doch immer noch nicht akzeptieren wie ich bin.

„Das Grad wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“.

Das ist so wahr, und trotzdem ziehe und zupple ich daran und bin verzweifelt, dass aus den kleinen Pflänzchen kein großer starker Baum wird.

Josef Giger-Bütler: Endlich frei. Schritte aus der Depression.

Ich habe heute damit begonnen, reinzulesen, und habe an vielen Stellen mit dem Kopf genickt. Es zeigt keinen leichten Weg auf, aber es ordnet die Fragen und Rückfälle und Zweifel ganz gut ein,

Ich bin in Kapitel 5 eingestiegen, die Kapitel zuvor erschienen mir etwas redundant, nachdem ich erst „Sie haben es doch gut gemeint“ gelesen hatte. Ehrlich gesagt, würde ich oft auch liber mit einem gutem Roman auf der Couch liegen, aber davon ist auch noch niemand zufriedenern geworden.

Bin gespannt, wie der Rest des Buches ist. Geduld, annehmen, Veränderungenb in kleinen Schritten, sich hinterfragen, ob man das, was man tut auch tun will, das habe ich heute so als Leitfaden herausgelesen. Und mich in manch Verhaltensskizze wiedererkannt.

R… wie Rückfall

Beruflich habe ich wieder mit J zu tun – den ich aus gegebenem Anlass eigentlich AJ (Arschloch Jörg) nennen wollte.

In den Meetings ging es gerade noch so, aber jetzt nimmt die Drehzahl wieder zu und wir mussten telefonieren und müssen uns auch bilateral treffen.

Mir geht es damit nicht gut. Ich dachte, ich hätte das verarbeitet, aber ich bin tatsächlich immer noch wahnsinnig wütend und verletzt.

Sein Verhalten erinnert mich wahnsinnig an das meines Vaters, auch wenn der mich natürlich noch viel viel tiefer verletzt hat und immer wieder verletzt.

Ich bin scheißwütend und möchte dringend jemanden von den beiden genauso verletzen. Sie würden es nicht verstehen.
Ich kann mit dieser Feigheit nicht umgehen, genauso mit der meiner Mutter, dabei finde ich meine Gefühle doch verständlich.

Ich merke, dass ich wieder schlechter schlafe und schlechter abschalten kann als noch vor ein paar Wochen.
Ich will AJ nicht in meinem Leben haben, und bin beruflich dazu gezwungen. Er arbeitet für meinen Hauptkunden, und niemand nimmt ihn mir ab.

Ich will einerseits cool tun, als mache es mir nichts aus, und andererseits will ich ihn vernichten. VERNICHTEN! VERNICHTEN! Die Rachefantasie hilft mir nicht wirklich, aber warum sollte ich cool tun, nur damit er es leichter hat und mein Stolz nicht leidet?

Herrje, es wäre schön, einfach einen normalen Mann kennenzulernen, der mich von diesem ganzen Scheiss ablenkt. Ist aber nicht in Sicht, auch wenn SAM immer wieder fragt.

Count your blessings!

Immer wieder vernachlässige ich mein Glückstagebuch. Ich schreibe das nicht auf, um das noch Jahre später nachlesen zu können (mit manchen kryptischen Sätzen könnte ich auch nicht mehr viel anfangen), sondern um mir bewusst zu machen, was gut an einem Tag war. Manchmal nur Kleinigkeiten, manchmal große Dinge. „Wer schreibt, der bleibt“, und was man ausspricht oder aufschreibt, gewinnt einen anderen Stellenwert, wird ein bißchen greifbarer.

Für heute freue ich mich über

– eine sehr schöne und entspannende Yogapraxis
– einen trockenen Heimweg
– Post und Fotos von meiner Schwester
– ein Küßchen von einer Kollegin
– Visionen mit der Lieblingskollegin
– pünktlichen Feierabend

 

 

 

 

 

Stand up, hold my hand!

Ich musste heute in der Therapie erkennen, dass ich in letzter Zeit wieder nicht gut auf mich aufgepasst habe. Es tut weh, alles kostet Kraft, ich wünsche mir jemanden, der mich beschützt und für mich da ist. Ich brauche einen Türsteher, das ist mal Fakt, der mir die Idioten vom Leib hält, die alle nur wollen, dass ich für sie da bin, ihre Probleme löse, blabla, ohne auf mich acht zu geben.

Ich bin schon wieder über meine Grenzen hinweg gegangen, ich bin sehr empfänglich für Appelle an meine Stärke, mein Leistungsvermögen, meine Vernunft.

Und die kleine Anna in mir findet kein Gehör, bleibt auf der Strecke, und dann wehrt sie sich eben auf ihre Art, durch Tränen, Erschöpfung, Blockade.

Schön, dass ich so leicht zu triggern bin ^^.

Ach, manchmal bin ich es so leid, ständig in meiner Seele rumzubohren und Dinge ändern zu müssen. Eigentlich bin ich doch eine prima Person, die es leichter haben sollte im Leben. Pöh.

Leben in der Warteschleife

Ich finde es schwer, meinem Leben einen Sinn abzugewinnen. Ich lebe unfreiwillig allein und sehe nicht, wie sich das ändern ließe. Ich gehe arbeiten, und es strengt mich an, selbst oder besonders in den Wochen mit Feiertagen, weil mich das aus dem Rhythmus bringt. Ich gehe zum Yoga, ich meditiere, wenn auch mehr schlecht als recht, ich treibe Sport. Ich treffe Freunde, ich war am Samstag auf einem Konzert, ich habe gestern gebacken.

Trotzdem frage ich mich: wozu das alles? Ist das derzeitige Niveau – okay, aber nicht glücklich – das äußerste, was ich je erreichen kann? Von einem Tag zum nächsten leben, ab und zu etwas zu lachen haben, viel Disziplin für die Pflichten des Alltags aufzubringen, ständig gegen den inneren Schweinehund anzugehen, oft das Gefühl, ich möchte eigentlich lieber im Bett liegen und die Decke anstarren? Ich habe gar nicht genug Kraft, um andere Menschen wirklich in mein Leben zu lassen, Anteil an ihren Sorgen zu nehmen, weil mir das alles so banal vorkommt.

Meiner Arbeit einen größeren Sinn abzugewinnen ist unter den Rahmenbedingungen unmöglich. Aber was will ich stattdessen? Wie wichtig ist der Sinn meiner Arbeit für mich? Könnte ich nicht auch wie andere das Ganze nur als Broterwerb sehen und mein Glück woanders suchen? Aber wo, wenn doch die große ungewollte Leerstelle in meinem Privatleben gähnt und mich ab und zu zu verschlingen droht?

Kann mich jemand lieben, wo ich mich selbst so schwer dabei tue? Ich übe, gut zu mir zu sein, ich übe, meinen Körper zu lieben und mich als liebenswerten Menschen zu betrachten. Aber… aber… aber.

Ich möchte Kontakt zu Kindern, aber die Freunde, die welche haben, wohnen zu weit weg für ein regelmäßiges Sehen. Und ich habe gerade nicht die Kraft, mich um eine Patenschaft zu kümmern, die zu Recht ein strenges Auswahlverfahren hat.

Für mich selbst zu kochen kommt mir wie eine unzumutbare Anstrengung vor.

Die Zweifel sind gerade so groß, und auch meine Therapeutin ist mir dabei keine Hilfe, was ich für ein zufriedenes Leben brauche und wie ich es bekomme.

Ich möchte Fürsorge erleben, Zärtlichkeit spüren, ab und zu etwas von der Last abgeben können. Ich möchte mich nicht ständig anstrengen müssen, um gemocht zu werden. Ich möchte eine Arbeit haben, die mir nicht permanent abverlangt, bis an meine Grenzen zu gehen, und eine stabile Gesundheit. Und ich möchte damit meinen Frieden machen, dass ich eben gerade nicht die Energie habe, um ein Buch zu schreiben, auch wenn alle Ratgeber und Kurse einem suggerieren, das sei mit der nötigen Disziplin zu schaffen. Ich habe diese Disziplin nicht, weil mein Alltag mir so viel davon abverlangt. Meine freie Zeit ist besser dafür verwendet, Sport und Bewegung und Natur zu erleben. Trotzdem fühle ich mich deswegen wie ein Versager. Als würde ich mein Potential nicht einlösen.

Ich möchte glücklich sein, und trotzdem fehlt mir die Fantasie, wie ich das je sein könnte, wenn die Depression immer hinter mir lauert.

Trinkfest und arbeitsscheu…

Heute nach dem Sport habe ich mich so richtig schön abgeschossen. Nur so, weil mir nach Alkohol war. Bescheuert, aber so war es halt.

Ich finde das Leben gerade anstrengend, vor allem den Gedanken, etwas ändern zu können. Ich fühle mich einsam, ich habe ein Kuscheldefizit und im Job geht es auch nicht vorwärts.

Tja. Na, dann Prost.

 

Play it again SAM

Es geht mir gut. Ich weine selten, ich bin von der Arbeit erschöpft, aber nicht überwältigt, ich kann wieder lachen und Spaß haben.

Ich liebe SAM. Ohne Ansprüche, ohne Hoffnung, ohne Erwiderung. Aber die Berührungen, sie sind so schön, sie tun so gut, und ich muss so an mich halten, nicht die Hand auszustrecken und…

SAM ist ein wunderbarer Mann. Er sieht nicht nur gut aus, er ist auch eine schöne Seele. Er bringt mich zum Lachen, er berührt mich innerlich wie äußerlich, ich weiß, dass er mich mag, aber dass mehr nie sein wird.