Du hast du hast du hast keine Wahl, das ist das, was du hast

Kraftlos.

Nachdem ich das Gefühl hatte, wieder auf die Füße zu kommen, erlebe ich gerade einen Rückschlag. Ich bin total erschöpft, habe nächtliche Alpträume, gehe ungern zur Arbeit und fühle mich sogar von den Kollegen, mit denen ich sonst gern mal quatsche, total gernervt und angestrengt.

Man sieht es auch meiner Wohnung an. Zwischenzeitlich war sie echt aufgeräumt, jetzt wuchern wieder die Papierberge, die Rechnungen, die Ablage und sogar der Kleiderhaufen im Schlafzimmer.

Ich habe keine Phantasie, was passieren müsste, damit ich wieder das Gefühl habe, Energie zu besitzen. Ein Urlaub allein wird wohl nicht reichen.

Natürlich wäre es auch gut, wenn endlich der Frühling käme und ein wenig mehr Licht wäre. An meinem inneren Zustand wird das allein aber wohl auch nichts ändern.

Alle privaten Termine fühlen sich schon wieder wie Pflichten an, ich muss mich regelrecht dazu zwingen.

Wenigstens habe ich mir zur Belohnung und Motivationen einen schönen Workshop geleistet, und bis der stattfindet, wird es hoffentlich besser sein.

Wie ein Fahrradreifen, dem die Luft ausgeht. Man kann noch ein Weilchen schieben, aber wenn er richtig platt ist, kommt man gar nicht mehr von der Stelle. Bevor das passiert, muss etwas anders werden, aber was? Was?

Ich will Trost, wo es keinen gibt, Kraft, die ich nicht herstellen kann, Wärme in einer dunklen Zeit.

Ach verdammt

 

Es bleibt uns der Wind, in den wir uns hängen

Ich bin müde und traurig. Obwohl ich noch nicht voll arbeite, bin ich erschöpft. Erschöpft von den Grenzen, die ich permanent setzen muss, von den Gesprächen, die ich führe, von den emotionalen Lasten, die mir die Missachtung durch Jörg letztlich doch aufgebürdet hat.

Ich übe noch, herauszufinden, welche Menschen, in diesem Fall im Beruf, mir gut tun und welche mir Energie absaugen. In der Zusammenarbeit kann ich diese Menschen nicht immer vermeiden, aber ich muss ja nicht mit ihnen meine Pause verbringen. Oder das Gespräch ausufern lassen. Oder lächeln, obwohl ich genervt bin.

Ich betrachte meine Wochen und sehe wieder nur, was alles liegengeblieben ist. Dabei weiss ein Teil von mir doch, dass ich anerkennen will, was ich alles schaffe, obwohl die Last der Depression auf mir liegt. Der andere Teil will das wieder nicht gelten lassen, tut, als sei ich 100% fit und müsste wieder 150% Leistung bringen.

Ich weiss, dass mich diese Haltung kaputt macht. Aber sie ist vertraut wie ein ausgelatschter Schuh. In dem knicke ich zwar permanent um, weil er mir keinen Halt mehr gibt, und ab und zu verletzte ich mich auch, aber er ist eben da.

Was mich sehr belastet ist das Alleinleben. Ich kann alleine leben, das weiß ich, aber ich leide an der emotionalen Einsamkeit. Ich habe Freunde und Familie, aber ich werde nicht partnerschaftlich geliebt und gestützt. Und umgekehrt ist in mir so viel Liebe, die nie abfliessen durfte. Es macht mich so traurig, und ich fühle mich so unverstanden, weil letztlich niemand so recht nachvollziehen kann, wie es sich lebt, im meinem Alter noch nie die berühmten Drei Worte gehört zu haben. Dauerhaft auf Nähe und Zuneigung verzichten zu müssen. Und immer mit dem großej Zweifel leben zu müssen, dass es eben doch an mir liegt.

Alle haben mir immer zum Trost gesagt, dass meine Zeit noch kommen wird. Dass unverhofft oft kommt. Blablabla. Und ich fühle mich oft, als könnte ich es nicht mehr ertragen, und natürlich lebe ich trotzdem weiter, und natürlich tut es auch nicht jeden Tag gleich weh. Aber die Lebenszeit verrinnt, und manchmal fürchte ich, wenn ich zurückblicke, dann war alles nur Kampf mit der Depression, Leben mit gesundheitlichen Einschränkungen und Kuscheldefizit.

S… wie Scham

Aus meinen Suchbegriffen

„depression kommt wieder ich schäme mich“

Ich würde am liebsten schreien „Du musst Dich nicht schämen! Das ist eine Krankheit und nicht Deine Schuld!“

Aber ich weiß, auch ich schäme mich für die Depression und auch dafür, dass ich sie nicht „loswerde“, „überwinde“ usw.

Weil in der Öffentlichkeit bei jedem Pups von Depression gesprochen wird, glaubt man automatisch, dass diese Erkrankung eine Phase sei, die jeder überwinden kann.

Das ist nicht so!

Manche oder auch viele von uns leben damit, mal besser, mal schlechter, jeden Tag, und schauen immer wieder in diesen Abgrund aus Lähmung, Angst, Trauer, Scham und Schuld. Diese Krankheit ist teuflisch, aber man kann mit ihr leben. Manche Glückliche überwinden sie vielleicht wirklich, mag sein, aber ich stelle mir das oft vor wie ein trockener Alkoholiker: man muss sein Leben lang gut auf sich aufpassen.

Auf jeden Fall wünsche ich Dir, liebe/r Suchende, Unterstützung bei Deinem Weg mit der Depression zu leben und sich von der Scham zu lösen. Ich weiss, dass Depression immer noch ein großes Tabu ist, aber DU BIST NICHT SCHULD!

Du bist wertvoll und gut, so wie Du bist, mit allem, was zu Dir gehört.

Und das ganze sage ich mir selbst genauso wie Dir, weil ich ebenso damit hadere 🙂

T… wie Trigger

In einem anderen Blog habe ich eine Triggerwarnung* gelesen. In diesem konkreten Fall geht es um Suizid, aber ich habe entsprechende Hinweise auch schon bei Artikeln über Esstörungen  gelesen. Bei Berichten über Depression ist mir das bisher noch nicht bewusst untergekommen.

Ich wünschte im Alltag,
1. ich könnte meine jeweiligen Trigger im Vorfeld genauer und besser einschätzen und
2. die Welt würde ihre Aktivitäten entsprechend mit Warnhinweisen versehen.

Es können alltägliche Dinge sein, die den Druck meiner Depression verstärken wie die Beobachtung glücklicher Familien, das Verhalten eines nahen Menschen, das mich verletzt und an eine ganz alte Verletzung rührt, alles mögliche. Aber auch die Beschäftigung mit Fachliteratur bewegt eine ganze Menge in mir, von dem ich manchmal fürchte, es könnte mich überwältigen. Deshalb habe ich diese Bücher erst mal wieder zur Seite gelegt.

Natürlich ist auch  bei der Vernetzung unserer Erfahrungsberichte im Internet eine potentielle Trigger-Gefahr gegeben, oder?

Wie geht Ihr mit Triggern um? Wieweit können und sollen Depressive solchen Reizen aus dem Weg gehen oder sich bewusst damit auseinandersetzen?

Ziehen Euch die Berichte anderer Leidender eher runter oder motivieren sie Euch, oder auch beides, je nach Stimmung?

 

* Mit dem Begriff Triggerwarnung bezeichnet man im Internet einen Warnhinweis auf mögliche Auslösereize (Auslöser, engl. trigger) bei psychischen Beeinträchtigungen. 

 

God gave Rock’n’Roll to you!

Gestern beim Sport gehört und vielleicht zum ersten Mal auf den Text geachtet.

God gave rock and roll to you, gave rock and roll to you
Put it in the soul of everyone
Do you know what you want? You don’t know for sure
You don’t feel right, you can’t find a cure
And you’re gettin‘ less than what you’re lookin‘ for

You don’t have money or a fancy car
And you’re tired of wishin‘ on a falling star
You gotta put your faith in a loud guitar

God gave rock and roll to you, gave rock and roll to you
Gave rock and roll to everyone (oh yeah)
God gave rock and roll to you, gave rock and roll to you
Put it in the soul of everyone

Now listen
If you wanna be a singer, or play guitar
Man, you gotta sweat or you won’t get far
Cause it’s never too late to work nine-to-five

You can take a stand, or you can compromise
You can work real hard or just fantasize
But you don’t start livin‘ till you realize – I gotta tellya!

God gave rock and roll to you, gave rock and roll to you
Gave rock and roll to everyone
God gave rock and roll to you, gave rock and roll to you
Put it in the soul

God gave rock and roll to you (to everyone he gave the song to besung)
Gave rock and roll to you, gave rock and roll to everyone

God gave rock and roll to you (to everyone he gave the song to besung)
Gave rock and roll to you, saved rock and roll for everyone
Saved rock and roll

I know life sometimes can get tough! And I know life sometimes can be a drag!
But people, we have been given a gift, we have been given aroad
And that road’s name is… Rock and Roll!

Ich habe kein gutes Video gefunden. Hier ist der Sound gut, die Bildqualität naja, und das war wohl die Zeit, wo die Herren ohne Masken und Kostüme auftraten. Dabei war das doch Glam Rock, tststs 😉

Amen!

Z… wie Zorn

Gott, was bin ich wütend! Großer, dunkler, unheilvoller Zorn, der immer wieder über mich hereinrollt, wenn ich über Js Verhalten nachdenke. Und das tue ich naturgemäß zwanghaft immer und immer wieder.

Weil der Konflikt nicht geklärt werden kann. Weil ich mich unverstanden, beleidigt und unterschätzt fühle. Weil man nicht mit mir spricht, auch wenn ich darum bitte.

Was seid Ihr alle für feige Arschlöchter, so armselig kehrt Ihr die Probleme unter den Teppich, bis die Beule so groß wird, dass sie wie ein Pickel explodiert und dann schaut Ihr ungläubig drein und fragt Euch, wo das alles nun herkommt.

Held: Rocko Schamoni

Rocko Schamoni, Musiker, Autor und Schauspieler, steht offen dazu, an Depressionen zu leiden.

Ich sah einmal einen Auftritt von ihm bei „Zimmer frei“, wo er sinngemäß sagte, sich die Depression auch nicht wegtherapieren lassen zu wollen.

Die Depression ist ja auch immer ein Warnsignal, dass im eigenen Leben etwas nicht stimmt. So nehme ich es jedenfalls für mich wahr: dass ich nicht genug für mich sorge, anders lebe, als ich es will, meine Bedürfnisse nicht äußern kann.

Ich weiss nicht, ob das für Rocko Schamoni auch gilt, oder ob er eher eine Art Weltschmerz empfindet, der aus dem Zustand der Welt im allgemeinen gespeist wird.

Jedenfalls ist es mutig, sich den Medien gegenüber als depressiv zu outen.

Heute las ich jedoch ein Zitat in der Neon*, dass mich erschreckte.

„Depressionen werden mich unausrottbar mein Leben lang begleiten.
Die Chance, dass sie irgendwann mein Leben beenden werden, ist nicht gering“.

Ja, das bringt die Wahrheit über die dunkle Krankheit, mit der wir leben müssen, zum Ausdruck. Ja, ich habe auch oft gedacht, dass es eine tödliche Krankheit sein kann, und dass auch ich nicht weiss, ob ich ihr immer standhalten kann.

Ja, ich kämpfe immer noch mit der Akzeptanz, dass dies eine lebenslange Begleitung für mein Leben ist, die mich immer wieder herausfordern wird und an manchen Abgrund führen kann.

Aber Rocko: wir kämpfen wenigstens, wir machen Therapien, wir nehmen Medikamente, wir geben nicht kampflos auf!

Ich wüsste gern, dass Du das gleiche tust. Depression muss kein Schicksal sein, das man als gegeben hinnehmen muss, bei allem Realismus, dass sie immer eine Art „Behinderung“ darstellen wird.

Du bist ein großzügiger, warmherziger, intelligenter Mann, der viel von sich gibt. Ich wüsste gern, dass Du auch Hilfe annimmst.

Jeder von uns muss seine eigenen Dämonen bekämpfen, aber wir sind viele, und damit dann letztendlich doch nicht allein.

 

* Neon 2/2013, S. 138

W… wie wütend sein

Wut ist in jedem Menschen angelegt. Ich habe schlechten Zugang dazu, bei mir geht das schnell in Trauer und Rückzug über.

Wenn ich dann doch mal die Wut spüre, weiss ich nicht, wohin damit. Sie fühlt sich so groß, so zerstörerisch an, ich möchte Menschen verletzen, manche sogar vernichten.

Ich finde es eine Zumutung, wie Menschen mich behandeln, links liegen lassen, nicht auf meine Fragen antworten, mich als immer da, immer leistungsfähig betrachten und generell der Meinung sind, um mich brauchte man sich nicht zu kümmern.

Kommt Euch bekannt vor? Ja, das kenne ich gut von meinen Eltern.

Das war heute eh schon wieder scheißanstrengend, mich im Job abzugrenzen, und dann kam noch eine Mail von Jörg! Ihr erinnert Euch an Jörg? Ja, der Mann, dem ich vor vier Monaten geschrieben habe, schaffte es nun doch mal, sich darauf zurückzumelden. Allerdings nur, weil wir jetzt wieder öfter miteinander zu tun haben werden. Er hat Angst, die Arbeit würde darunter leiden.

Was bildet dieses Arschloch sich eigentlich ein? Keine Antwort war irgendwann dann auch Antwort genug, aber schlechter Stil war und bleibt es, und das lässt sich nun auch nicht mehr bereinigen.

Natürlich werde ich weiter meine Arbeit machen, und freundlich professionell sein. Aber dass ich weiterhin so nachsichtig und entgegenkommend sein und ihn schützen werde, da sei Gott vor!

Arschloch.

Und das schlimmste ist: das ist genau wie mein Vater. Seit Jahren ist er nicht in der Lage, mir einen Platz in seiner Familie einzuräumen, weil seine Frau angeblich dagegen ist. Seit Jahren weiss er, dass ich Weihnachten die schlimste Zeit des Jahres erlebe, aber das geht ihm am Arsch vorbei.

Meine Mutter schreibt weinerliche Briefe, wie leid ihr alles tut, aber erwachsen geworden ist sie nie, sie wird nie Verantwortung übernehmen können.

Meine Eltern können mir nicht geben, was ich brauche, eben Erwachsene sein, die sich auch mal den Themen stellen, und dazu werden sie wohl nie in der Lage sein.

Das tut so verdammt weh. Jörg fällt scheint es in die gleiche Kategorie, und so kann ich nur froh sein, wenn ich ihn endgültig hinter mir lasse.

 

I love you! I love you! I love you! That’s all.

Manchmal habe ich den Eindruck, als trennte uns nur ein dünner Schleier davon, etwas dummes zu tun. Weil wir einander so gern mögen. Vielleicht ist es aber auch nur meine Sehnsucht, Dir soviel zu bedeuten wie Du mir.

Es ändert nichts. Diese Grenze sollte nicht überschritten werden, dass wissen wir beide.

Meine Wünsche sind unverändert. Aber ich liebe Dich, so sehr, dass ich keine Ansprüche an Dich stellen will.

Held: Frank Spilker

Ich weiß nicht, ob Frank Spilker an Depressionen leidet. Nach allem, was ich von ihm weiss, könnte ich es mir aber vorstellen.

Aber jeder, der Texte schreibt wie die von „Depressionen aus der Hölle“, „Nach fest kommt lose“ oder „Was hat Dich bloß so ruiniert“, muss wissen, wie sich eine Depression anfühlt und ist ein Held.

Danke Frank!