Es gibt nur ein Leben, und darum weigere ich mich, aufzugeben!

So, Weihnachten ist soweit gut überstanden, und soll ich Euch was sagen? Heiligabend mit Freundinnen war richtig nett. Das könnte der Beginn einer neuen Tradition werden!

Den Rest dieses Jahres werde ich auch gut rumbekommen, und wie es dann 2013 weitergeht, sehen wir dann.

 

Peace on Earth!

Das einzige Weihnachtslied, das ich liebe und ertrage. Ein Hoch auf David Bowie! Ich habe es sogar auf CD, nachdem ich jahrelang (vor den Zeiten von Youtube, Amazon und Co.) danach gesucht hatte.

Der Melodieteil „Peace on Earth“ wurde für diese Aufnahme ergänzt – sonst wäre „Little Drummerboy“ auch ein weiteres dröges Weihnachtsdings. Aber so…

David Bowie ist einer der schönsten Männer, die der menschliche Genpool jemals hervorgebracht hat. Bing Crosby verstarb kurz nach dieser TV-Sendung.

Friedvolle Tage Euch allen!

 

 

Heldin: Holly, London

Gefunden bei PostSecret. Dort offenbaren Menschen ihre Geheimnisse – durch Postkarten, E-Mails oder auf Live-Veranstaltungen. Jeden Sonntag werden einige davon im Blog veröffentlicht.

—–Email—–

I was at the PostSecret Event in London. I didn’t find the courage to go up to the microphone, but if I had been able to, this is what I would have said.

I spent so long feeling guilty, feeling ashamed of my sadness, and you know what? It just made me sadder. You are allowed to be sad, you are allowed to be angry, you’re allowed to be depressed. We all deserve to feel our own sadness in our own time.

Something you will have heard before – you deserve to be happy. That, of course, is not always easy to hear, especially in the depths of depression – so let me add something. You deserve to be happy – but you don’t have to be happy right now or all the time.

It is okay to be sad, it’s okay to not be ready to be happy yet. One day you will be ready to recover – that day doesn’t have to be today or even tomorrow, as long as you know and trust me that it will come.

It’s okay not to be okay.

Thanks for everything Frank,

Holly, London

P.S My secret is that I decided last night that I’m ready to recover and it’s going to be incredible.

Das ist so schwer zu begreifen und zu leben, und es macht mir Mut, dass Holly diesen wichtigen Schritt geht. Wir sind nicht allein mit der Depression und es gibt Wege heraus.

 

B… wie Berührung

Wenn man wie ich allein lebt, kommt es vor, dass man tagelang nicht berührt wird. Nicht einmal ein Händeschütteln, selbst das Wechselgeld beim einkaufen wird einem nicht mehr in die Hand gegeben.

Naja, mir geht es natürlich auch nicht nur um kurzen Händekontakt. Ich lebe quasi körperlos, bis auf die Grundbedürfnisse wie Schlaf, Nahrungsaufnahme, Schmerztabletten, Insulin, Duschen und Haarewaschen wird der Hunger nach Berührung nicht befriedigt.

Ich will alles wissen!

Was hat dich bloß so ruiniert?

Kinder, was werde ich erleichtert sein, wenn die Weihnachtszeit endlich vorbei ist. Der emotionale Druck, der sich in mir aufbaut, macht mich fertig. Wenn ich mich nicht betäube, ist es nicht auszuhalten.
Es ist jedes Jahr unerträglich, und das macht mich fertig. Alle diese Bedürfnisse nach Familie, kindliche Bedürfnisse, aber auch die als Erwachsene, irgendwo dazuzugehören.

Am schmerzhaftesten sind die Wünsche der Kleinen Anna, geborgen zu sein, nach Heimat, nach bedingungsloser Liebe, ankommen, getragen werden. Familie.

Aber auch die große Anna möchte eine Familie, bei der sie Heiligabend willkommen ist. Bei der nicht so viele unausgesprochene Erwartungen und Konflikte alles überstrahlen. Ich möchte einen Platz in der Familie meines Vaters, den ich nicht bekommen kann. Weil er ein feiger Schwächling ist, der es nicht hinbekommt, sich mit seiner Frau auseinanderzusetzen. Natürlich ist es viel verlangt, das ausgerechnet am Heiligabend hinzukriegen, aber da er das das Jahr über nicht anspricht, ist es wie jedes Jahr. Anna hat kein zu Hause, fühlt sich nicht gewollt und nicht geliebt und keiner fragt auch nur nach, wo ich Weihnachten verbringe.

Das Problem ist der Heiligabend ab so 16 Uhr und bis 22 Uhr. Danach ist Weihnachten „rum“. Aber bis dahin möchte ich die Schmerzen nur noch wegsaufen.

Mutter ist ebenfalls feige und egoistisch. Sie schreibt lieber Karten als mit mir zu sprechen, und lieber muss ich alleine sein als dass sie auf meine einzige Schwester verzichtet.

Verdammt, warum muss das jedes Jahr so schwer sein, egal, was ich versuche? Warum ist Weihnachzten so ein Überthema, dem ich mich nicht entziehen kann? Ja, die Welt da draußen macht es einem nicht le einen schönen Advent und Feiertage und kitschige Filme.

Ich bin einsam, Weihnachten ist für mich unerträglich, lasst mich alle in Ruhe.

A… wie Aufräumen

Fällt das Euch auch so schwer wie mir? Ich bin kein Messie, aber ich hänge doch an vielen Dingen. Weil daran Erinnerungen geknüpft sind, ich sie von einem lieben Menschen bekam, ich sie mir zum Trost selbst gekauft habe oder in dem hilflosen Bemühen, emhr Struktur in meinen Haushalt zu bekommen.

Allein das Papier macht mich fertig, es scheint sich zu vermehren, wenn man ihm den Rücken zuwendet. Und da ich Ablage machen hasse, gibt es hier einen mittelgroßen Hügel mit Schriftstücken, die kreuz und quer liegen.

Da ich Dinge, die noch gut in Schuss sind, aber aus irgendeinem Grund nicht mehr zu mir passen, nicht wegwerfen kann, habe ich nun begonnen, diverse Orte damit zu versorgen. Also gehören regelmäßige Wege in den Rotkreuzladen, zum Altpapiercontainer und zu Stilbruch momentan zu meinem Pensum. Und wenn man erst mal kiloweise Bücher und ähnliches durch die Gegend geschleppt hat, ist man auf dem Rückweg doppelt erleichtert.

Der Trick ist natürlich, in dieser Zeit nichts neues zu kaufen. Auch nichts, was ich wirklichwirklich brauche 😉

Was das mit Depression zu tun hat? Loslassen. Abschied nehmen. Ballast abwerfen. Themen, die insgesamt für mein Leben von Bedeutung sind.

Ich kann das oft nicht, auch nicht bei Gegenständen. Daher nehme ich mir jetzt für die guten Tage immer ein wenig vor. Frustrierend ist, dass man noch keinen so großen Unterschied sieht. Ich habe echt viel Zeug.

Streng genommen lautet mein Maßstab, alles, was mein Leben nicht schöner oder leichter macht, soll gehen. Tatsächlich kann ich das so streng nicht auslegen. Aber was soll’s, dann vielleicht in der nächsten Runde. Kleine Schritte, das sage ich mir immer wieder, kleine Schritte. Und dafür belohnen. Aber nicht mit einem Kauf 😉

Sag alles ab!

Nein, nicht alles.

Ich verlasse das Haus, ich gehe einkaufen, halte Termine ein, gehe zum Sport. Für Spontanes ist jedoch kein Platz.

Zu Hause fühle ich mich halbwegs wohl. Unter wenigen Menschen ist es auszuhalten. Viele Menschen auf einmal stressen mich. Deswegen ist die Fahrt in vollen S-Bahnen oder Bussen eine Tortur, die ich so nicht kenne, da ich nicht an einer Angststörung leide. Ich umgehe die Innenstadt, mache einen Bogen um Weihnachtsmärkte, und ausverkaufte Vorstellungen sind mir ein Greuel.

Leider bedeutet das mitunter, auch auf das Treffen mit Freunden und Bekannten zu verzichten, die nichts gegen Gruppen oder größere Menschenansammlungen haben. Wie schwer ist es mir gefallen, am Samstag auf ein Wiedersehen mit S und N zu verzichten. Aber Weihnachtsmarkt in der Innenstadt geht bei bestem Willen nicht.

Nachdem ich abgesagt hatte, hat es eine Stunde gedauert, bis ich mir meine Kraftlosigkeit „verzeihen“ konnte. Es ist schwer, wenn man mit sich selbst immer so viel strenger und anspruchsvoller umgeht als mit jedem anderen Menschen. Ich habe wirklichwirklichwirklich lange mit mir gehadert, ob ich nicht irgendwie die Kraft dazu aufbringen könnte, es irgendwie „aushalten“. Aber das ist nicht der Weg, den ich gehen möchte.

Ich möchte mich nicht länger quälen, gegen meine Bedürfniosse ankämpfen, mich zu etwas zwingen, was nicht geht, was mich erschöpft, was mich auslaugt.

Wenn Begegnungen unter bestimmten Rahmenbedingungen momentan nicht möglich sind, dann ist das eben gerade so. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen.

M… wie Müdigkeit

Heute ist ein Tag voll bleierner Müdigkeit.

Nicht primär wegen fehlendem Schlaf, auch wenn der zur Zeit auch nicht von besonderer Qualität ist. Ich bin unglaublich erschöpft vom Leben, obwohl es gerade sehr einfach ist. Auf viele Dinge verzichte ich, weil die Kraft dafür nicht ausreicht.

Ich habe mir vorgenommen, wieder häufiger eine Stabilisierungsübung zu machen. Momentan probiere ich es mit den 5 Päckchen, die es ermöglichen sollen, einmal Abstand von den drängendsten Problemen zu bekommen. Ich denke, ich werde das noch einige Male wiederholen müssen, um eine Wirkung zu spüren.

Die Weihnachtszeit ist schlimm für mich. Weihnachten verstärkt das Gefühl der Einsamkeit, der Heimatlosigkeit, der Ausgeschlossenheit.

Ich glaube, das macht auch die Müdigkeit und Erschöpfung aus, denn draußen wird das Leben von diesen Themen beherrscht. Ich werde daran erinnert, dass meine Herkunftsfamilie nicht so ist und nie so war, wie ich es mir gewünscht und wie ich es auch gebraucht hätte, um so etwas wie Geborgenheit zu spüren.

Weihnachten reisst mir jedes Jahr wieder den Boden unter den Füßen weg, seit meine damals engste Freundin und ich zu dieser Zeit nicht mehr gemeinsam verreisen. Seit in meiner Kindheit und als Erwachsene Dinge zu Weihnachten passiert sind, die niemals hätten geschehen dürfen. Die das letzte bißchen an Sicherheit vernichtet haben, dass ich kannte.

Den Dezember kann ich nur durchstehen, überstehen, überleben. Kein Wunder, dass ich so müde bin.

T… wie Tageslichtlampe

Letztes Jahr habe ich mir eine zugelegt, um das jahreszeitliche Tief, das meine Depression verschlimmert, vielleicht ein wenig einzudämmen. Da dieser Herbst ja recht viel Licht hatte, beginne ich dieses Jahr erst heute damit.

Hat jemand von Euch Erfahrungen damit? Ich könnte bisher nicht einschätzen, ob das was bringt oder eher die Augen anstrengt.

I… wie Inkonsequenz

Momentan habe ich ein paar Ablenkungsbaustellen errichtet.

Anstatt konsequent das Thema Depression zu behandeln und z.B. an dem Buch weiterzulesen, lasse ich mich treiben, sehe fern, daddle durchs Internet usw.

Alles Dinge, die mir auch nicht direkt gut tun. Von geregelten Mahlzeiten und normalen Schlafenszeiten ganz zu schweigen. Ich weiss, dass das doof ist, kann (oder will) es aber nicht abstellen.

Das bißchen Energie, das ich habe, wird so auf jeden Fall verschwendet.

Oder vielleicht ist es auch nur eine Pause von dem schweren Thema, und das arbeitet sowieso in meinem Unterbewusstsein weiter?

Ach, ich weiss es selbst nicht. Die Gespräche darüber strengen mich geistig und emotional immens an. Da ist es vielleicht wirklich erklärbar, dass ich Ablenkung suche, selbst bei so albernen Dingen wie ebay oder Bier.