E… wie Erschöpfung

Das Leben ist immer noch sehr anstrengend. Zu Hause fühle ich mich momentan halbwegs wohl und geborgen. Sobald ich das Haus verlassen muss, bin ich angestrengt und fühle manchmal sogar so etwas wie Angst.

Es wird gerade nicht wirklich besser. Geduld zu haben fällt mir sehr sehr schwer.

Dass ich jetzt blogge statt zu schlafen, ist auch kein gutes Zeichen. Mir geht gerade sehr viel durch den Kopf. Ich habe einen Freund besucht, der ebenfalls an einer Depression leidet. Der Austausch tut mir gut, und wir reden auch nicht nur über unsere Sorgen, aber die Gespräche sind eben sehr intensiv. Und dann kommen mir die Tränen und alles ist wieder so nah und präsent.

Und dann fühle ich, dass ich immer noch weit davon entfernt bin, den Alltag wieder meistern zu können. Und dann fühle ich mich schwach und hilflos. Verdammt.

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Held: David Walliams

David Walliams ist ein britischer Schauspieler, der mit der Comedy Serie „Little Britain“ enorm populär wurde. In den vergangenen Jahren hat er außerdem mehrere erfolgreiche Kinderbücher veröffentlicht, die sich mit verschiedenen ungewöhnlichen Themen befassen, die sonst eher „Außenseiterthemen“ sind: Obdachlosigkeit, eine Junge, der das „Cross Dressing“ für sich entdeckt, die Probleme, als reichster Junge der Welt echte Freunde zu finden… sehr liebevolle und mutmachende Bücher, die ich als Erwachsene mit Freude gelesen habe.

Zudem engagiert er sich zugunsten von „Sport Relief“ durch extremen sportlichen Einsatz für die gute Sache. Er hat den Ärmelkanal durchschwommen und ebenso die gesamte Themse.

Ich habe daher aus gutem Grunde das, was man im Englischen so schön einen „Crush“ nennt, ich schwärme für (den mittlerweile verheirateteten werdenden Vater) David.

Besonders beeindruckt hat mich jedoch, dass er sehr offen über seine Depression spricht. So auch in seiner unlängst erschienenen Autobiografie „Camp David“, in der er offenbar auch über mehrere Selbstmordversuche spricht.

Dies hat aufgrund seiner Prominenz eine besondere Resonanz in den Medien und könnte dazu beitragen, Depression zu destigmatisieren.

Ich habe mir soeben die Autobiografie bestellt (sowie sein neuestes Kinderbuch – wann schläft der Mann eigentlich?) und bin sehr gespannt darauf, seine Geschichte aus erster Hand zu erfahren. Aus meiner Sicht ist es nicht wahrscheinlich, dass David seine Depression vollständig überwunden haben wird, so sehr ich ihm das wünschen würde, denn er scheint ein sehr sehr toller Mensch zu sein.

David, Du bist mein Held!

 

 

Wie groß ist das Gefängnis?

Ein halber Tag ohne Depression, aber wenn es mich dann wieder überfällt, ich weinen muss, alles sinnlos erscheint, dann fühlt es sich an, als hätte ich eine lebenslange Freiheitsstrafe in Einzelhaft abzusitzen und würde nach einer Stunde Hofgang wieder in die Zelle zurückgebracht.

Josef Giger-Bütler: Sie haben es doch gut gemeint. Depression und Familie.

Ich habe ein paar Wochen gebraucht, um das Buch zu Ende zu lesen. Allzuoft kamen mir bei der Lektüre die Tränen, weil ich mich so oft wiedererkannt habe.

Dies ist das erste Fachbuch, was ich zur Entstehung der depressiven Persönlichkeitsstruktur gelesen habe. Geiger-Bütler beschreibt sehr gut, wie die depressiven Muster in der Kindheit entstehen. Auch weist er immer wieder darauf hin, dass eine Depression etwas anderes ist als eine vorübergehende Verstimmung, Müdigkeit oder Traurigkeit als Folge bestimmter Umstände.

Vielmehr ist Kennzeichen das permanente nicht auf sich hören, sich überfordern, sich schuldig fühlen, dass man in der Kindheit gelernt hat als Reaktion auf die familiäre Konstellation.

Streckenweise ist es etwas mühsam zu lesen, weil viele Wiederholungen vorkommen. Für depressive Leser kann das aber auch von Vorteil sein, weil die Aufnahmefähigkeit in einer akuten Phase doch stark beeinträchtigt ist.

Ich finde das Buch sehr hilfreich, sowohl zum eigenen Verständnis der Depression wie auch der Tatsache, warum es so schwer ist, sich aus den alten Muster zu befreien. Ich würde es aber auch interessierten Angehörigen empfehlen, die einen Einblick in das Leben und Erleben eines depressiven Menschen suchen.

Die Handlungsmöglichkeiten kommen in diesem Buch für meinen Geschmack zu kurz. Dafür gibt es dann vom selben Autor „Endlich frei. Schritte aus der Depression“, das ich als nächstes lesen werde.

Im Grunde finde ich es auch angemessen, dieses schwere Thema nicht mit ein paar kurzen Absätzen abzuhandeln.

Mir war bis zur derzeitigen Episode nicht klar, dass ich eine lebenslange Aufgabe mit der Depression (aka „Dennis the Menace“) bekommen habe. Ich habe jede aktute Depression als Versagen, als Zusammenbruch erlebt, aus dem ich mich herausgekämpft habe, nach der ich aber nie die Stabilität erreicht habe, nach der ich mich so sehne.

Tatsächlich hatte bis jetzt niemand der Behandelnden den Mut, mir zu sagen, dass ich eine chronische Beeinträchtigung habe, die in Schüben immer wiederkehren kann und wird, als Reaktion auf die Selbstüberforderung und bestimmte Lebensumstände. Also ringe ich nach all den Jahren jetzt mit der Aufgabe, dies zu akzeptieren, die Depression als zu mir gehörig anzunehmen und mich zu lieben, auch wenn ich diese Anteile an mir nicht mag und kaum tragen kann.

Er hat immer Hunger, er muss immer essen…

Basistests nerven.

Hunger, Appetit, Langeweile, Druckabbau… es gibt viele Gründe, warum ich esse und trinke, und es nicht zu dürfen plus immer wieder den Blutzucker messen zu müssen, ist anstrengend.

Tagsüber geht es noch, wenn man nicht alleine ist. Abends/Nachts finde ich auch deshalb anstrengend, weil es mindestens einmal wecken bedeutet und natürlich auch angstbesetzter ist, was eine Hypo oder Entgleisung betrifft.

Und „Unsere täglich Schoki gib uns heute“ ist natürlich auch nicht drin.

Tja.
www. ab ins bett . de, würde ich mal sagen.

Depressionen aus der Hölle

Alles ist so komplex
Alles ist so komplex
Alles ist so komplex

Warum kann es nicht einfacher sein?
Warum kann es nicht einfacher sein?

Alles ist so komplex

(T: Oliver Minck)

 

Immer, wenn es mal wieder besser zu laufen scheint, öffnet sich eine neue Baustelle. Und schon breche ich in Tränen aus und bin am Boden zerstört. Diabetes nervt.

Dabei MUSS ich ja nicht alles und sofort hinkriegen, aber ich habe immer gleich das Gefühl, ich hätte versagt. Depression ist ein Arschloch.

Aber weisste was, Dennis? Fick Dich. Du kannst Dich wehren, aber ich gebe nicht auf. Und wenn mich mal Leute weinen sehen, drauf gepfiffen, ich krieg das trotzdem hin.

Und Du.. wo bist Du..

Austausch mit anderen Betroffenen.

Ich habe bisher gedacht, das sei nichts für mich. Weder hinsichtlich der Depression noch in Bezug auf meine andere chronische Krankheit. Meine Meinung entstand aus bisherigen stationären und ambulanten Schulungen und Gesprächsgruppen.

Und nun stelle ich fest, wie entlastend es sein kann, mit einem Freund über die akuten Phasen (ich habe aktuell ein paar Wochen und übers Leben betrachtet ein paar Jahre Vorsprung) und die familiären Probleme zu sprechen. Jemand, der versteht, den ich verstehe. Der mich besucht hat, den ich besuche, wenn nichts anderes mehr geht.

Und eine Schulungswoche mit anderen Typ 1ern, die auch nicht besser als ich klarkommen, obwohl sie mir teils etliche Jahre voraus sind. Die zum Teil Werte haben, die auch miserabel sind. Die sich im Alltag mit den gleichen Problemen herumschlagen, und denen erstaunlicherweise ich auch Tipps geben kann.

Es ist so ENTLASTEND!

Ich fühle mich immer schuldig, dass ich so schlecht zurecht komme. Dass ich oft nicht mehr die Disziplin aufbringe, mich ausreichend um meine Gesundheit zu kümmern.

Und nun darf ich erstmals erleben, dass Menschen, die wie ich mitten im Leben stehen, genauso schwanken, kämpfen, auch ihre Rückschläge und Fragen haben.

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung.

 

Neblige Lichter.

Ich weiss nicht, ob die Depression – ich nenne sie übrigens Dennis – sich gerade besonders stark wehrt, weil es ihr endlich an den Kragen geht, oder ob das nur ein Zwischenspiel ist.

Tatsache ist, dass es mir streckenweise richtig elend geht, alles tut weh, alles ist zuviel, Teilnahme am Leben wie sonst kaum vorstellbar.

Aber auf einem kurzen Spaziergang gestern kamen mir (wieder) zwei Dinge in den Sinn:

1) Ich will meine beste Freundin sein.

Ich will gern Zeit mit mir verbringen, ich will Nachsicht mit mir üben, mich gern haben, meine Schwächen akzeptieren, für mich da sein, mich auf mich selbst verlassen.

 

2) Ich habe alles in mir, was nötig ist, um ein zufriedenes Leben zu führen.

Ich habe die Kraft, den Verstand, die Gefühle, die Talente, die es mir ermöglichen werden, mit dieser und mit allen anderen Krisen fertig zu werden.

Nicht nur das Leid und die Schmerzen sind in mir, sondern auch alles Positive, die Energie, das Wissen.

Darauf will ich vertrauen.

 

Beides sind Entscheidungen, die ich immer wieder treffen muss, weil sie mir immer wieder abhanden kommen, wenn die Dinge nicht gut laufen.

Ich möchte mich immer wieder daran erinnern, Vertrauen zu haben. Das fällt mir sehr schwer, aber mit Übung müsste da doch was gehen 😉